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Prag / Tschechien

Neuer Sozialtarif gilt ab August in den Prager Öffis

Die Stadt Prag führt ab dem 1. August 2026 eine neue Tarifkategorie für Menschen in schwieriger finanzieller Lage ein. Anspruchsberechtigte erhalten künftig 70 Prozent Ermäßigung auf die Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr im Stadtgebiet. Sie zahlen dafür künftig nur noch rund sieben Euro. Die neue Regelung richtet sich an Personen, die die neuen staatlichen Sozialhilfe beziehen. Bereits seit 2021 hatte die Stadt Menschen mit Anspruch auf Sozialhilfe günstigere Fahrkarten ermöglicht. Die Maßnahme wurde zunächst während der Covid-19-Pandemie​ eingeführt und später aufgrund der Energiekrise und steigender Lebenserhaltungskosten verlängert. Ende September 2025 lief diese jedoch aus, da während der Übergangsphase zwei unterschiedliche Leistungssysteme parallel bestanden. Mit der Vereinheitlichung des Sozialleistungssystems ab August 2026 kann die Stadt die Unterstützung nun erneut gezielt einführen. Der Anspruch wird künftig an eine elektronische Bescheinigung des Arbeitsamtes gekoppelt. Da die Unterstützung auf Haushaltsebene gewährt wird, können alle in der Bescheinigung angeführten Personen den ermäßigten Tarif nutzen. Der Nachweis muss alle 30 Tagen erneuert werden. Die vergünstigte Monatskarte kann über die mobile Anwendung PID Lítačka oder über den Onlineshop der Lítačka erworben werden. Mit der Maßnahme will die Stadt die Erreichbarkeit des öffentlichen Verkehrs für besonders einkommensschwache Haushalte sichern.

Berlin / Deutschland

Diskussion über islamistische Strukturen in Berlin

Im Rathaus Berlin Neukölln fand eine gut besuchte Diskussion über die Gefahr durch radikalen Islam und islamistische Strukturen statt, ausgehend vom Buch "Unterwanderung – Der politische Islam weiter auf dem Vormarsch" von Sascha Adamek und Franziska Krause. Im Fokus standen Netzwerke im Umfeld der Muslimbruderschaft sowie politische und gesellschaftliche Verbindungen einzelner Akteure, darunter auch Debatten um den SPD Fraktionschef Raed Saleh, der wegen seiner Kontakte zu muslimischen Organisationen in der Kritik steht. Thematisiert wurde zudem die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) und ihr Imam Taha Sabri. Trotz früherer Nennungen im Verfassungsschutzbericht im Zusammenhang mit einem möglichen Umfeld der Muslimbruderschaft wurde die NBS im Integrationskontext ausgezeichnet. Autor Adamek betonte, dass in Deutschland eine unabhängige wissenschaftliche Dokumentationsstelle zum politischen Islam fehle, wie sie in Österreich seit 2020 existiert. Zu Beginn der Sommerferien warnte das Bezirksamt Neukölln erneut vor Zwangsverheiratungen und sogenannter Heiratsverschleppung. Dabei geht es um Jugendliche, die befürchten, im Ausland gegen ihren Willen verheiratet zu werden und nicht zurückkehren zu können. Schulen und Jugendeinrichtungen erhielten Handlungsempfehlungen zur Prävention. Betroffene sollen frühzeitig Vertrauenspersonen einbeziehen und wichtige Dokumente sichern. Laut Bezirksamt handelt es sich um ein reales Problem, dem seit Jahren mit gezielter Sensibilisierung begegnet wird.

Prag / Tschechien

Konflikt bei der Prager Piratenpartei führt zu neuer Bewegung

Die neue Bewegung "Wir sind ein Team" hat ihre Prager Kandidat*innenliste "Wir sind Prag" vorgestellt und will bei den kommenden Kommunalwahlen in der Hauptstadt antreten. Auf der Liste stehen zahlreiche ehemalige Mitglieder der Piratenpartei sowie die bisherige stellvertretende Oberbürgermeisterin und Umweltstadträtin Jana Komrsková (Piratenpartei). Die Bewegung wurde vom früheren Senator und Präsidentschaftskandidaten Marek Hilšer (parteilos) gegründet. Vorsitzender ist der frühere Piraten-Senator Lukáš Wagenknecht. Auf der Kandidat*innenliste finden sich mehrere Politiker*innen aus verschiedenen Stadtteilen, die früher den Piraten nahestanden oder der Partei angehörten. Der Wechsel von Jana Komrsková gilt als deutliches Zeichen für die anhaltenden Konflikte innerhalb der Prager Piratenpartei. Ihre Differenzen mit dem Parteivorsitzenden Zdeněk Hřib wurden bereits in mehreren politischen Auseinandersetzungen sichtbar. Komrsková hatte unter anderem auf umstrittene Vergütungen Hřibs aus einem Aufsichtsratsmandat hingewiesen. Das Verfahren endete später aus Mangel an Beweisen ohne Sanktion. Auch beim neuen Stadtplan stellte sie sich gegen die Linie ihrer Parteikolleg*innen und stimmte dagegen. Bei der vergangenen Wahl trat sie noch als Nummer zwei der Piratenpartei an, auf der aktuellen Kandidat*innenliste erscheint sie jedoch nicht mehr. Die Prager Pirat*innen führen nun Tereza Nislerová als Spitzenkandidatin an, während Hřib von Platz zehn aus kandidiert. "Wir sind ein Team" vereint nach eigenen Angaben unabhängige Kandidat*innen, Fachleute und engagierte Bürger*innen. Inhaltlich will sich die Gruppierung vor allem auf Wohnen, Bildung und die wirtschaftliche Führung der Stadt konzentrieren. Die neue Liste könnte vor allem jene Wähler*innen ansprechen, die mit der Entwicklung der Piratenpartei in Prag unzufrieden sind. Gleichzeitig verschärft sie den Wettbewerb im liberalen und städtisch-progressiven Lager.

Prag / Tschechien

Radetzky-Denkmal soll in den öffentlichen Raum Prags zurückkehren

Die Prager Stadtregierung hat die Rückführung des Denkmals für den aus Böhmen stammenden Marschall Josef Wenzel Radetzky auf den Malostranské-Platz befürwortet. Die Stadt will nun das Kulturministerium um die Herausgabe der Originalstatue ersuchen, die derzeit im Lapidarium des Nationalmuseums aufbewahrt wird. Das Denkmal stand von 1858 bis 1919 auf dem Malostranské-Platz, wurde jedoch nach der Gründung der Tschechoslowakei aus dem öffentlichen Raum entfernt. Die Kosten für die Rückkehr werden auf 600.000 bis 1,2 Millionen Euro geschätzt. Die Summe hängt davon ab, ob die Stadt das Original verwenden kann oder eine originalgetreue Kopie anfertigen lassen muss. Befürworter*innen sehen in dem Denkmal ein bedeutendes Kunstwerk mit historischem, städtebaulichem und kulturellem Wert. Sie argumentieren, dass die Rückkehr nicht als unkritische Verherrlichung der Habsburgermonarchie verstanden werden solle, sondern als Erinnerung an die komplexe Geschichte der Stadt. Kritiker*innen verweisen dagegen auf Radetzkys Rolle bei der Niederschlagung des italienischen Aufstands in den Jahren 1848 und 1849. In der politischen Debatte wurde daher auch vorgeschlagen, das Denkmal mit einer erläuternden Tafel zu ergänzen, die alle wichtigen Phasen seines Lebens einordnet. Da der ursprüngliche Platz der Statue durch Straßen und Straßenbahngleise geprägt ist, wurde bereits ein neuer Standort oberhalb der Gleisanlagen vorgeschlagen. Die endgültige Entscheidung soll nach fachlicher Bewertung restauratorischer, denkmalpflegerischer, technischer und wirtschaftlicher Aspekte fallen.

Zagreb / Kroatien

App erleichtert Nutzung städtischer Räumlichkeiten in Zagreb

​Die Stadt Zagreb hat die erste öffentliche Ausschreibung zur Nutzung von Räumlichkeiten der lokalen Selbstverwaltung, den sogenannten Grätzelräten, für den Zeitraum von 1. September 2026 bis zum 31. August 2027 veröffentlicht. Es handelt sich um ein neues Modell der Vergabe von Räumen, mit dem die Stadt ein transparenteres und systematischeres Verfahren für die Bewerbung und Nutzung dieser Räumlichkeiten einführen möchte. Bewerbungen können von 23. Juni bis 22. Juli über die App "Räume der lokalen Selbstverwaltung" eingereicht werden, die auf der offiziellen Website der Stadt verfügbar ist. Über die Vergabe der Termine entscheiden weiterhin die Stadtviertelräte. Ziel ist es, möglichst vielen Organisationen, Vereinen und anderen Nutzer*innen die Durchführung gesellschaftlich nützlicher Programme in den Stadtvierteln zu ermöglichen und die Bürger*innen zu einer aktiveren Teilnahme am Leben der Stadtviertel zu motivieren. Dank der App, die 2025 eingeführt und kürzlich verbessert wurde, ist es möglich, alle Räumlichkeiten im jeweiligen ​Grätzelrat einzusehen, zu reservieren und deren Nutzung nachzuverfolgen. Dadurch wird der Zugang der Bürger*innen zu öffentlichen Räumen für Sitzungen, Workshops, Bildungsangebote und andere Aktivitäten erleichtert. Die verfügbaren Räumlichkeiten können nach Standort, Größe und Ausstattung durchsucht werden, freie Termine sind in Echtzeit einsehbar.​

Belgrad / Serbien

MOL-Abkommen mit Serbien nach russischem Rückzug rückt näher

Die serbische Ministerin für Bergbau und Energie, Dubravka Đedović Handanović (parteilos), hat mit dem ungarischen​ Ölunternehmen MOL eine Aktionärsvereinbarung über die künftige Führung des serbischen Energieunternehmens NIS unterzeichnet. Diese tritt jedoch erst in Kraft, wenn MOL die russische Beteiligung an NIS erwirbt, wie das Ministerium für Bergbau und Energie mitteilte. Die bereits von der serbischen Regierung genehmigte Vereinbarung ermöglicht, sofern die MOL-Gruppe die Mehrheitsbeteiligung erwirbt, die Weiterentwicklung von NIS, die Versorgung des serbischen Marktes​ sowie den Betrieb der Raffinerie in Pančevo. Für den Abschluss der Transaktion sind neben der Unterzeichnung des Kaufvertrags weitere behördliche Genehmigungen erforderlich.MOL führt weiterhin Verhandlungen mit der russischen Gazprom Neft über den Erwerb ihrer 56,15-prozentigen Beteiligung an NIS. Die Vereinbarung trete jedoch erst in Kraft, wenn MOL und Gazprom Neft eine Kaufvereinbarung abschließen und diese vom US-amerikanischen Office of Foreign Assets Control (OFAC) genehmigt werde, erklärte Đedović Handanović. Laut der Vereinbarung erwirbt Serbien zusätzlich fünf Prozent der Anteile an NIS. Die Raffinerie soll mindestens in den nächsten zehn Jahren auf dem Kapazitätsniveau betrieben werden, das sie in den vier Jahren vor der Verhängung der US-Sanktionen erreicht hatte. ​Die Vereinbarung soll die Versorgungssicherheit und die Stabilität des serbischen Marktes gewährleisten, sofern der Verkauf zustande kommt.​

Belgrad / Serbien

Stadt Belgrad und Staatsbetriebe bergen Risiken für Serbiens Haushalt

​Der Exekutivrat des Internationalen Währungsfonds (IWF) erklärte, dass die serbische Wirtschaft zwar Widerstandsfähigkeit zeige, jedoch Risiken bestünden, die die fiskalische Stabilität des Landes gefährden könnten. Im Bericht zur dritten Überprüfung des laufenden Abkommens mit Serbien (Policy Coordination Instrument – PCI) hat der IWF hervorgehoben, dass die fiskalischen Risiken in Serbien erhöht seien. Diese ergeben sich nicht nur aus dem Energieschock, sondern auch aus Belastungen im Zusammenhang mit dem Staatsunternehmen "Straßen Serbiens" und der Stadt Belgrad. Der IWF ist der Ansicht, dass die Einhaltung eines Haushaltsdefizits von höchstens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die Umsetzung von Notfallmaßnahmen erfordern könnte. Dazu zählen die Rationalisierung der laufenden Ausgaben sowie eine strikte Priorisierung von Investitionsprojekten. Zudem wird darauf hingewiesen, dass die Verbindlichkeiten des staatlichen Infrastrukturunternehmens "Straßen Serbiens" dauerhaft durch eine strengere Ausgabenkontrolle gelöst werden müssten. Außerdem soll die finanzielle Lage der Stadt Belgrad dringend bewertet werden, um fiskalische Risiken vor dem nächsten Haushaltszyklus zu verringern. Der IWF fordert darüber hinaus eine Stärkung der finanziellen Lage staatlicher Energieunternehmen, um Spielraum für notwendige Investitionen zu schaffen und die fiskalischen Risiken zu senken.